Technik und ich, das ist so eine Sache. Es wäre zuviel gesagt, wenn ich behaupten würde, dass wir gar nicht miteinander klar kommen. Unser Verhältnis ähnelt mehr den ersten malen Sex meines Lebens – ich drücke an ein paar Stellen, manchmal funktioniert´s, manchmal nicht – aber verstehen, was da abgeht, das tue nicht… Das ist ganz schön frustrierend, heißt aber auch, dass es noch Hoffnung auf Entwicklung gibt;-) Es ergeben sich lauter neue Möglichkeiten, von denen man gehört hat und das soll alles sooo super und sooo einfach sein. Dem entsprechend entwickelt man gewisse Vorstellungen bzw. Erwartungen und ist dann enttäuscht, wenn nicht alles so abläuft wie gedacht.
Mein aktuelles Problem: Skype! Wobei, das ist nur die halbe Wahrheit. Das aktuelle Problem war dieser blöde Telefonhörer, den ich für meinen Computer gekauft habe. Ne Anleitung gab´s nicht, nur den kurzen Hinweis auf der Verpackung: Einfach reinstecken, der Rest klappt von alleine. Von wegen! Das mit dem Reinstecken funktionierte ja schon ganz gut, aber jedesmal wenn ich Anu anrief, konnte sie mich nicht hören. Nicht ganz das, was ich mir von nem guten Telefongespräch erwarte. Also fing ich an wild Knöpfe zu drücken und zu beten. Yep zu beten – keine Floskel, die sich gut anhören soll, sondern detailierte Beschreibung des Geschehens. Schweiß floss, hervorgebracht durch das Bewusstsein, das jede Minute die vergeht, den Akku frisst und von meiner Gesprächszeit mit Anu zährt. Gestern habe ich nun endlich meine Audioeinstellungen gefunden. Alle Computerpros klatschen jetzt mit der flachen Hand auf die Stirn, alle anderen denken: „Audioeinstellungen“? Wie auch immer, ich kann jetzt endlich über Skype telefonieren und habe dies nun gestern und heute endlich ausgibigst getan. Muss sagen, dass es mir jetzt deutlich besser geht. Es tut einfach gut den anderen zu hören und so lange sprechen zu können wie man will, ohne ans Geld zu denken! Und wieder habe ich ein wenig an Lebensqualität dazu gewonnen. Danke Skype!
Bleiben wir bei abgeschmackten Klischees: Es gibt hier einen Deutschen, Roman Schatz oder so ähnlich. Der gute Mann beherrscht perfektes Finnisch. Okay ich bin neidisch, aber stetig sag ich mir – er lebt ja auch schon über 20 Jahre hier, sollte also nicht mein Vergleichsmaßstab sein. Wie auch immer, Schatz hat ein Buch geschrieben: From Finland with Love. Hier schreibt er über seine Erfahrungen mit Finnland – Satire sein Genre. Dachte ich zumindest bis gestern. Dachte immer – Junge, Junge is zwar lustig, aber übertreib mal nich´. Wie gesagt bis gestern. Ich wollte von der Underbar nach Hause und fühlte mich doch stark an eine Passage aus seinem Buch erinnert. Dort lässt er sich über finnische Busfahrer aus. Schatz O-Ton: Wer´s als Finne nicht in die Formel 1 schafft wird Busfahrer. Zugegeben mir ist bereits aufgefallen, dass die Busfahrer hier eher zügig fahren. Damit habe ich auch kein problem, bevorzuge ich es doch zügig von einem Punkt zum anderen zu kommen. Mulmig wird mir nur, wenn ich wieder einmal bemerke, dass der Busfahrer getrunken hat oder die ganze Zeit mit seinem Handy telefoniert…
Aber gestern war ich echt beeindruckt. Ich saß in einem Bus – es regnete rein (auch nicht das erste Mal) und auch sonst sah die Kiste eher wie ein türkisches Dolmusch aus. Nichts gegen türkische Dolmuschs, aber die erwarte ich nun Mal in der Türkei, nicht in Finnland. Was dieser Mann aus der Kiste rausgeholt hat ist unglaublich! Geschwindigkeitsrausch pur! So klammerte ich mich mit einer Hand an meinen Sitz, Regen tropfte auf meine Hose und die zweite Hand musste ich dazu nutzen meinen Kopf zu schützen. Denn der Bussfahrer war schnell, um genau zu sein so schnell, dass er die Grenzen der Physik aufzuheben schien. Und wenn dies leicht übertrieben wirkt, so hob er doch zumindest die Straßenbegrenzungen auf. Sprich, bei jeder Kurve nahm er die Bordsteinkante mit und alle Passagiere hüpften auf ihren Sitzen – deswegen die Hand zum Kopfschutz. Es gibt viele Kurven auf der Strecke…
Ich hab´s überlebt – alle andern auch, zumindest war das der Stand der Dinge, als ich ausstieg… Nun ist es also angebracht mich bei Schatz zu entschuldigen: 20 Jahre Erfahrung wiegen mehr als meine wenigen Eindrücke! Ich werde das Buch nochmal zur Hand nehmen und lernen… Dann werd ich meine Finanzen checken und wenn sie es zu lassen einen Helm kaufen!
Gehabt euch Wohl – und hoffentlich bis morgen!
